"Nomiya" - der "bayrischer Japaner" steht vor dem Aus

Es wird einem arm ums Herz der ach so scheenan Stoodt

von Michael Wüst

Der Ferdl. Foto: Michael Wüst

Wenn es heuer Frühling wird in der Wörthstraße in Haidhausen, dann ohne das Nomiya. Dem überregional bekannten "bayrischen Japaner" wurde zm 1. April 2020 gekündigt.

Der Blick ist ja immer noch schön: die Straße hinauf, vorbei am indischen Restaurant, wo früher mal eine der wichtigsten Münchner Off-Bühnen stand, das Rechts der Isar, über die Alleebäume des Bordeauxplatzes hinweg, zu Europas größtem, mobilen Riesenrad, das unmerklich wandert wie der breite Minutenzeiger einer Wartesaaluhr in einem Provinzbahnhof. Dort kann man ja auch ein Weißwurstmeeting buchen, falls man zur Weißwurst noch den erweiterten Überblick braucht. Oder man verläßt München gleich, wenigstens mit dem Blick. Fürs erste. Ja was hält uns denn noch hier? In der Wörthstraße 7 wird ab 1. April, wo 23 Jahre lang das Nomiya stand, dann eine Lücke klaffen, wenn dort ein "inhabergeführtes Betriebskonzept", wie es sich der Verpächter und Hauseigentümer wünscht, einzieht. Inhabergeführt heimelt schon an. Gottseidank, ein richtiger Münchner Hauseigentümer, der gar keinen Systemwirt will, sondern einen Münchner, der sich väterlich zwischen die Sitzenden beugt und fragt, ob es recht ist, das Leberknödelsupperl.

Und da ja sowieso der Wahlkampf für den Stadtrat schon auf Hochtouren läuft, säuselt ein bayerischer Liedermacher was von unsrer scheena Stoodt. Auf der Tafel steht in anständigen neobayrischen Wirtschaften in derselben anbiedernden Schreibweise dann der Leberknädel neben der halben Aktions-Entn. Beim Stand von 6400.- Euro für den bayrischen Japaner Nomiya von Wirt Ferdl Schuster hatte die Pacht kurz angehalten, bevor der Herr von der W7 GBR dem 74jährigen zwecks besserer Verhandlungsposition das Knie auf die Gurgel gedrückt haben soll mit der Drohung, er könne die Pacht alle zwei Monate um 2000.- erhöhen, was rechtlich bezweifelt werden darf, ebenso wie der Zusatz, da könne er nochmal einen 1000er drauflegen, wenn die Presse involviert würde.

Freunde des Nomiya mit Chris Böttcher, Stofferl Well und Toshio Kasaba. Foto: Michael Wüst

Das wenigstens berichtet  Rupert Pfliegl vor Presse, Freunden und Künstlern am 13. Februar bei einem Krisenfrühschoppen im Nomiya. Naja, wir wissen's ja, die brauchen wir nicht mehr. Und diese Künstler sowieso nicht! Sind ja alle schon älter, spielen Klarinette und Quetschn und können sich keine vollverglasten, automatisch sich lüftenden Ateliers am Schwabinger Tor leisten oder wenigstens ein zum Übungsraum umgebautes Pissoir. Schriftlich belegt in einem Schreiben der W7 GBR ist dagegen, dass Wirt Ferdl Schuster, dem man ja bereits (mit Erhöhungen) entgegen gekommen sei, keine "belastbare Nachfolgeregelung" vorgelegt habe. Was ist jetzt das für eine juristische Position? Klingt schon stramm vorkonstitutionell. Der 74jährige soll seine Geschäftsfähigkeit übergeben, wie der Altbauer an Hof? Muss er vors Königlich Bayrische Amtsgericht? Von hinten säuselt ein Liedermacher etwas von unsrer scheenan Stoodt mit diesem scheenan Voiksfest, wo uns de ganze Weijd besucht zum Bisi machen. Es wird einem arm ums Herz. Der Blick schweift in den weißblauen Himmel, aber leider nimmt er uns nicht mit. Weg von der Münchner Funzel.

Veröffentlicht am: 20.02.2020

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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Wolfgang Z. Keller
21.02.2020 18:08 Uhr

Lieber Herr Wüst,

traurig der Anlass, aber schön geschrieben.

Allein die Monatspacht für dieses Kaicherl: in meinen Augen voll krass - die ist ja höher als die Nettopension eines hohen Staatsbeamten!

Und danke für den Seitenhieb auf das TouriNeoBayrisch, den Mia-san-mia-Liedermacher und all diese unschönen Neuerscheinungen hierzulande und -zurstadt!

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